Radca Prawny – der polnische Rechtsberater

Neben dem polnischen Rechtsanwalt (Adwokat) gibt es auch den polnischen Rechtsberater (Radca Prawny).

Diese Unterscheidung ist für deutsche Rechtsanwälte kaum nachvollziehbar. Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Gleichwertigkeit zwischen beiden vorliegt. Man kann nicht ohne Weiteres sagen, dass ein polnischer Adwokat besser ausgebildet ist. Die Ausbildung ist gleichwertig. Früher waren die Rechtsberater (Radca) stärker auf Wirtschaftsrecht spezialisiert, während die Anwälte (Adwokat) sich auch mit Straf- und Familienrecht befasst haben.

Nicht wenige Rechtsberater und Anwälte in Polen gehen davon aus, dass es in der Zukunft eine Vereinigung und Vereinheitlichung des Berufsbildes des Anwalts in Polen geben wird.

Aufnahmeprüfung

Wer Rechtsberater in Polen werden möchte, muss nach dem abgeschlossenen Jurastudium in Polen auch einen Aufnahmetest bestehen, um überhaupt die Möglichkeit einer Ausbildung als Rechtsberater zu bekommen.

Die Aufnahmeprüfung findet – wie bei den polnischen Anwälten – 1 x jährlich statt. Sie besteht aus 250 Fragen, von denen 190 richtig beantwortet werden müssen.

Auch bei der Aufnahmeprüfung war es in der Vergangenheit so organisiert, dass nur wenige die begehrten Plätze zur Aplikation bekamen. Mittlerweile ist die Zahl der Aplikanten stark gestiegen.Im Jahr 2006 haben in Stettin ungefähr 140 Teilnehmer am Aufnahmetestteilgenommen, allerdings bestanden nur 28 die Aufnahmeprüfung. Im Jahr 2007 nahmen 170 Bewerber am Aufnahmetest teil, es bestanden 80 die Prüfung. Im Jahr 2008 bestanden hingegen wiederum nur wenige Kandidaten die Prüfung – wie auch bei den Rechtsanwälten (Adwokat).

Ablauf der Ausbildung des polnischen Rechtsberaters

Die Ausbildung zum polnischen Rechtsberater dauert – wie bei polnischen Rechtsanwalt – 3, 5 Jahre.

Die Aufnahmeprüfung findet 1x jährlich statt. Es sind 250 juristische Fragen (Antwort a, b oder ) zu beantworten. Die Fragen werden zentral herausgegeben. Wer wenigstens 190 Fragen richtig beantwortet, hat die Aufnahmeprüfung für das polnische Anwaltsreferendariat bestanden. Die juristische Aufnahmeprüfung kann durchaus als schwierig bezeichnet werden, da die Duchfallquote bei ungefähr 50 % liegt (so in Szczecin im Jahr 2007, wo von 80 Bewerbern nur 40 die Prüfung bestanden).Im Jahr 2008 nur eine Hand voll.

Früher wurde die Aufnahmeprüfung vom Bezirksanwaltsrat vorgenommen, so dass dieser durch den Schwierigkeitsgrad die Zahl der polnischen Anwälte regulieren konnte. Bei den Anwaltsräten liess sich die Tendenz dazu erkennen, Neuzugänge zu erschweren, so zumindest wird dies in Polen behauptet.

Diese Praxis führte dazu, dass trotz einer Einwohnerzahl von 38,5 Millionen Menschen nur etwa7000 Anwälte zugelassen sind. Auf Grund der damit verbundenen geringen Konkurrenz und der anwaltlichen Selbstverwaltung, die zu hohen selbsterstellten Gebühren führt, ist Rechtsberatung durch polnische Anwälte für Jedermann keine Selbstverständlichkeit.

Durch diese Praxis geriet die Anwaltsorganisation in den Verdacht, Vetternwirtschaft und Handel mit Zulassungen zu betreiben. Auch gab es Kritik an der Höhe Gebühr für die Zulassung zum Vorbereitungsdienst für Rechtsberater.

Das polnische Verfassungsgericht erklärte diese Praxis mangels gesetzlicher Grundlage für verfassungswidrig. Drei Normen wurden sogar gänzlich als unvereinbar mit der Berufswahlfreiheit deklariert. Seit dieser Entscheidung zeichnen sich Verbesserungen ab, nicht zuletzt durch die Erleichterung der Aufnahmeprüfung.

So wurden beispielsweise in Stettin seitdem jährlich etwa vierzig neue Applikaten eingestellt. Früher waren es etwa fünf pro Jahr.

Während der drei Jahre und sechs Monate dauernden Vorbereitung durchläuft der zukünftige polnische Anwalt neben einer Tätigkeit bei einem polnischen Anwalt, auch mehrmonatige Praktika bei Gericht, einem Notar oder der Staatsanwaltschaft.

Nach dem Bestehen der Abschlussprüfung kann er sich als polnischer Anwalt in die polnische  Anwaltsliste eintragen lassen, vorausgesetzt er verfügt über die gesetzlich vorgeschriebene „makellose charakterliche Eignung“. Professoren, habilitierte Doktoren, Richter, Staatsanwälte, Rechtsberater und Notare dürfen als Anwälte arbeiten, vorausgesetzt sie sind mindestens drei Jahre lang tätig.

Es ist also mit einem Anstieg der Anzahl polnischer Rechtsberater zu rechen.

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